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From Hype to Reality 2025 – Rückblick auf Zürich
Rückblick auf das Symposium From Hype to Reality: AI in the Study of Art and Culture in Zürich, an dem Mariya Dzhimova und Dr. Benedikt Zönnchen teilnahmen.
11/12/2025
Am 26. November 2025 nahmen wir am Symposium From Hype to Reality: AI in the Study of Art and Culture“ in Zürich teil — einem Format, das Wissenschaft, Digital Humanities, Kunstgeschichte und Kulturwissenschaften mit aktuellen Entwicklungen im Bereich Künstliche Intelligenz verknüpft.
Wer war dabei
Das Symposium richtete sich an Forschende und Interessierte, die an der Schnittstelle von KI, Kunst, Kultur und Gesellschaft arbeiten — darunter Wissenschaftler:innen aus Digital Humanities, Kunstwissenschaft, Medien- und Kulturtheorie, Künstler:innen, Designer:innen sowie Praktiker:innen aus Museen und kulturellen Institutionen.
Unser Beitrag
Mariya Dzhimova und Benedikt Zönnchen präsentierten ihren Beitrag "From an Experimental Technology to a Mainstream Product: Implications for Generative AI as an Artistic Medium“. Darin untersuchen sie die Entwicklung generativer KI — von einem experimentellen Nischenwerkzeug zu einem weithin verfügbaren, kommerziellen Produkt — und reflektieren, wie dieser Wandel die Rolle von KI als künstlerisches Medium verändert.
Generative KI befindet sich in einem tiefgreifenden sozio-technischen Umbruch: Was einst von Künstler:innen als bewusst unzuverlässige, expressive und experimentelle Technologie genutzt wurde, kann heute durch standardisierte, benutzerfreundliche Tools mit hoher Stabilität reproduziert werden. Das senkt einerseits Einstiegshürden, verändert andererseits jedoch die ästhetische und kulturelle Bedeutung von KI-basierter Kunst.
Diese Formalisierung und Standardisierung tendiert dazu, ästhetische Vielfalt und experimentellen Charakter zugunsten normierter, leicht reproduzierbarer Bildästhetik zu nivellieren. KI-Art droht damit, ihren Status als Medium künstlerischer Entdeckung und kritischer Reflexion zu verlieren.
Der Diskurs
Das Symposium machte deutlich, dass der Diskurs um KI und Kultur nicht rein technikzentriert geführt werden kann. Stattdessen braucht es interdisziplinäre Perspektiven — von Kunstgeschichte über Kulturtheorie bis zur Soziologie — um zu verstehen, wie KI Wahrnehmung, Produktion und Repräsentation von Kultur mitgestaltet.
Auch unser Beitrag berührte eine der zentralen Fragen, die in den Diskussionen mehrfach aufkam: Können und sollen KI-Modelle "die Realität" präzise repräsentieren? Müssen generierte Bilder — etwa historische Darstellungen — so treu wie möglich sein? Gilt dies dann konsequenterweise auch für Bilder und Texte der Gegenwart, oder soll die generierte Gegenwart eine "bessere" sein? Wer bestimmt dieses "Besser"? Gibt es überhaupt eine unverzerrte Realität? Und wie verändert die prominente Darstellung eines kontinuierlichen latenten Raums unsere Vorstellung davon, was "ist" — oder gäbe es alternative Darstellungen, die etwa den Prozesscharakter der Modelle stärker betonen?
Insgesamt bot das Symposium einen intensiven Austausch und wertvolle Impulse dafür, wie wir KI in Kunst und Kultur künftig kritisch, kreativ und verantwortungsvoll denken und gestalten könnten und welche wichtigen und schwierigen Fragen wir stellen müssen.